Jahreslosung 2024


Seit 2000 Jahren versuchen wir das schon, mit welchem Erfolg?


Paulus schrieb seinen 1. Brief an die Gemeinde in Korinth in dem Bewusstsein, dass die kleine Christengemeinde zerstritten war. Es war schwierig, die unterschiedlichen Lebensbedingungen der Menschen unter einen Hut zu bringen. Die anfängliche Euphorie, der Heiland, Jesus, der Auferstandene kommt in unsere Welt zurück, scheint 50 Jahre nach Jesu Tod verflogen. Die christliche Gemeinde ist plötzlich wieder im Alltag angekommen, in einem Alltag, wo Unterschiede ins Auge fallen, wo der andere vielleicht doch nur an sich selbst denkt…


Und heute? Ich denke, die Jahreslosung für das kommende Jahr ist ein Anstoß und eine Erinnerung zugleich. Wenn wir, also Du und ich, Du, die mir gerade gegenübersitzt, Du, der gerade vor mir her trödelt, Du, die du gerade mit dem Einkaufswagen im Weg stehst…. wir alle also, wenn wir in solchen Situationen nicht anfangen zu denken, der andere ist nicht böse oder nicht schuld oder nicht ungeschickt oder nicht dumm… wer soll denn damit anfangen?


Rein theoretisch oder theologisch wäre es ja einfach, man müsste bloß den Gedanken zulassen, dass der andere, so unangenehm, nervig, rassistisch oder fremd er auch sein mag, von Gott geliebt ist. Aber da kommen wir mit
unserem kleinen Verstand ja nicht hin. Einfacher ist es, die Welt in gut und böse einzuteilen. Ja – ich gebe es zu – ich schaue auch gerne Actionfilme, und wenn am Schluss der Fall gelöst, die Guten gewonnen haben, dann kann man getrost ins Bett gehen. Aber eigentlich sind ja diejenigen Filme die wirklich guten Werke, in denen die Guten nicht einfach nur gut sind und die Bösen auch ihre guten Seiten haben. Da bleibt zuweilen auch das Ende offen. Und es wird deutlich: das Leben ist nicht schwarz-weiß, wir Menschen sind nicht gut oder böse, wir sind beides.


Unsere Jahreslosung meint nicht, dass wir einfach das Mäntelchen der Liebe über alles decken sollen. Nein, die Liebe ist der Ball, den wir uns zuwerfen, den wir auffangen und weiterwerfen. Liebe verlangt Aktion, Liebe ist kein Zustand, sondern ein Tun, ein Spiel, ein Aufeinander-zu-gehen, immer wieder neu.


Das wünsche ich mir für das kommende Jahr für mich selbst, dass ich es schaffe, immer wieder neu auf die Menschen, die „anderen“ zuzugehen, wer sie auch sein mögen. Und Ihnen allen wünsche ich das auch. Dann geschieht da und dort vielleicht etwas in Liebe. Was gäbe es schöneres?


Ihr Pfr. W. Fromke